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Viel Sonne im Studio dank Lecturefox

Happy Coding

Es hat irgendwie auch etwas Trauriges, wenn ich heute die letzte Meldung mit Bezug zu Lecturefox schreibe. Dabei geht es um eine der besten Erfahrungen, die ich bisher mit einem „Nebenbei-Projekt“ gemacht habe. Vor vier Monaten habe ich die Domain verkauft. Auf der Seite Onlinecourses.com wird die Idee der Sammlung von frei zugänglichen Universitätsvorlesungen in einem professionellen Rahmen fortgeführt. Das Motto heißt „Top Online Courses and Classes on the Web“.

Für mich war es vor allem in der Zeit vor dem Abschluss der Übernahmevereinbarung sehr spannend und ich habe dabei eine Menge gelernt. Für die Abwicklung kam der Treuhandservice von Escrow ins Spiel. Der Domaintransfer verlief damit von Anfang bis Ende ohne jede Schwierigkeiten.

Lecturefox war kein schneller Erfolg, sondern über Jahre ein Hobbyprojekt. Die Domain existierte seit 2007. Im November 2012 kam das Angebot zur Übernahme aus heiterem Himmel. Es beweist, dass kleine Vorhaben im Internet nicht unsichtbar bleiben, wenn sie etwas eigenes zu bieten haben.

Freie Projekte steigern die Produktivität


Die Motivation für komplexe Tätigkeiten basiert auf intrinsischen Faktoren. Der TechTalk von Dan Pink gibt in rund 19 Minuten eine hervorragende Einführung in dieses Thema.

Software-Entwicklung ist eine Disziplin, bei der hervorragende Leistungen nur mit hoher Konzentration und Kreativität möglich sind. Und das erfordert immer sehr viel Motivation. Daniel H. Pink liefert in seinem Bestseller Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us einige überraschende Erkenntnisse aus Wissenschaft und Wirtschaft. Die Fakten belegen laut Pink, dass hohe Incentives kontraproduktiv wirken. Klassische Anreizsysteme, nach denen Menschen durch das sprichwörtliche Hinhalten der Karotte nach vorne getrieben werden, funktionieren bei komplexen Aufgaben nicht.

In vielen Unternehmen werden falsche Konzepte für die Mitarbeitermotivation umgesetzt. Pink nennt Beispiele aus der Praxis, die den modernen Theorien folgen. Bei Google können die Entwickler 20 Prozent ihrer offiziellen Arbeitszeit völlig frei für eigene Projekt verwenden. Das australische Softwareunternehmen Atlassian führt diese Idee weiter. Im Rahmen von sogenannten FedEx-Days können mehr als 70 Entwickler  jeweils 24 Stunden an eigenen Ideen arbeiten und diese dann vorstellen. Damit ist das Unternehmen sehr erfolgreich. Es ist kein Wunder, dass Atlassian San Francisco in die Top 25 “Great Place to Work”-Liste gewählt wurde, wie Jon Silvers, der Marketing-Direktor des Unternehmens aus Berkeley, im Atlassian-Blog berichtet.

Smalltalk fällt aus dem Tiobe-Index

Die beiden Klassiker Smalltalk und Eiffel sind  im August 2010 zum ersten Mal nicht mehr unter den 50 populärsten Programmier- sprachen. Im zeitlichen Zusammenspiel mit dem Erscheinen von Apples iPad hat Objective-C hingegen im Tiobe-Index einen Sprung von Platz 19 auf Platz 9 hingelegt. Unter den Top 20 findet sich erstmals die taufrische Sprache „Go“. Sie wurde von Google-Mitarbeitern entwickelt und ist im November 2009 unter einer freien Lizenz erschienen.

Auf den Plätzen 1 bis 5 hat sich im Tiobe-Index nichts verändert. Hier finden sich Java, C, C++, PHP und Basic. C# hat Python überholt und steht jetzt auf Platz 6. Während die Dinosaurier C und C++ auch nach 25 Jahren noch weit oben in der Gunst der Entwickler rangieren, sind die Zeiten für das klassische Smalltalk angesichts so zahlreicher neuer Konkurrenz wohl nahezu vorbei.

Interessant ist der Blick zurück auf die Anfänge der objektorien- tierten Programmierung (OOP), die so eng mit Smalltalk verbunden sind. „Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist sie zu erfinden“, soll Alan Kay einmal gesagt haben. Kay gilt als Urvater der OOP. Er hat in den 70er Jahren auch Smalltalk erfunden. (Seit 1995 unterstützt er unter anderem das Open-Source-Projekt Squeak, mit dem Kinder spielerisch Computersimulationen erstellen können.) Ein beeindruckendes historisches Dokument ist der visionäre Vortrag, den Alan Kay im Jahr 1997 auf einer Konferenz der ACM (Association for Computing Machinery) gehalten hat. Der Titel heißt „The Computer Revolution Hasn’t Happened Yet“. Kay imaginierte die zukünftigen Möglichkeiten der OOP. Er sagte voraus, dass es eines Tages so sein werde, dass jedes Software-Objekt über eine Internetadresse ansprechbar sei.

Mit dem Webframework Django ist genau das heute realisiert: Eine URL kann direkt zu einem Objekt aus dem dahinterliegenden Python-Programm führen. Dies bietet faszinierende Möglichkeiten für die Entwicklung von Internetanwendungen. Smalltalk mag als Dialekt an Bedeutung verlieren. Die Ideen der OOP leben in vielgestaltiger Form mittels Java, C#, Python, Ruby, Go & Co. weiter.

Alan Kays Keynote von 1997 ist rund eine Stunde lang und wird von Google Video bereitgestellt:
[googlevideo]http://video.google.com/videoplay?docid=-2950949730059754521[/googlevideo]