Monthly Archives: October 2011

Lernen wie Feynmans Schwester

Richard Feynman war einer der interessantesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Der Physiker war ein genialer Mensch. Nicht nur Computergeeks und Physikfans lassen sich von seiner Persönlichkeit inspirieren. Seine Bücher sind wunderbar unterhaltsam und seine Vorlesungen über Physik, insbesondere über Quantenmechanik, gehören sicher mit zum besten Lehrmaterial, das es überhaupt gibt. Feynman war auch für seine neun Jahre jüngere Schwester Joan ein Vorbild.

Ich liebe eine kleine Geschichte, die aus einer der älteren Biografien über Richard Feynman stammt. Zum 14. Geburtstag seiner Schwester schenkte der spätere Nobelpreisträger ihr ein dickes Lehrbuch mit dem Titel „Astronomy“. Feynman hatte damals schon mit dem Studium der Physik begonnen. Das Buch enthielt Stoff auf Universitätsniveau. Joan liebte die Sterne und den Himmel, doch sie konnte kaum etwas von dem Inhalt des Buches wirklich verstehen. Als sie Richard darauf hinwies und sagte, dass sie schon nach wenigen Seiten komplett den Faden verlieren würde, sagte er ihr, dies sei doch gar kein Problem. Er empfahl seiner Schwester, den Text einfach noch einmal von vorne zu lesen. Und wenn sie etwas nicht mehr verstehen könne, dann solle sie erneut von vorne beginnen. Das würde schon funktionieren.

Offenbar hat es wunderbar geklappt. Joan Feynman hat das Buch solange gelesen, bis sie es von Anfang bis zum Ende verstehen konnte. Sie wurde später sogar Astrophysikerin und erforschte neue Theorien über die Sonnenflecken und vieles mehr. Ich glaube, manchmal muss man auch das Lernen lernen. Wir können oft nicht alles auf Anhieb verstehen. Doch wenn wir etwas wirklich wissen wollen, dann lohnt es sich, dran zu bleiben.

Gib niemals zu schnell auf!

(Für Feynman-Fans: Auf Youtube gibt es eine BBC-Ausstrahlung aus dem Jahr 1993 in voller Länge von 1:35 Stunden zu sehen: Richard Feynman – No Ordinary Genius)

Computer retten das Zeichnen

Computer geben der Zeichenkunst eine neue Chance. Warum? Die Produktion digitaler Medien ist ohne das Zeichnen nicht möglich. Vor allem junge Menschen eignen sich aus purem Interesse heraus Fähigkeiten an, die an den Hochschulen seit Jahrzehnten nicht mehr vermittelt werden.

Zeichnen bildet die Grundlage für digitale Malerei und Konzeptkunst in 2D und 3D. Spieledesigner entwerfen ihre Charaktere und Level Designs nach klassischem Muster ebenso wie Illustratoren in Werbung und Medien. Wer denkt, dass Programme wie Photoshop oder Illustrator die kreative Arbeit von alleine machen, liegt falsch. Visuelle Konzepte basieren auch im Computerzeitalter auf einer Zeichnung oder Skizze. Es spielt keine Rolle, ob dabei der Bleistift oder der digitale Stift in der Hand liegt. Wichtig ist allerdings, dass der Künstler etwas zu vermitteln hat, dass er etwas, das nicht nur ihn selber interessiert, aus seinem Kopf heraus zeichnerisch darstellen kann.

Computerspiele, Animationsfilme und Simulationen beeindrucken nur, wenn ihre Inhalte nicht chaotisch sind. Hier sind wieder Künstler gefragt, die mit ihrer Vorstellungskraft andere Menschen berühren können. Für Konzeptkünstler ist das Zeichnen eine wichtige Sprache, die sie brauchen, um ihrer Fantasie Ausdruck zu verleihen.

Ausbildung von Profi zu Profi

International existieren Gemeinschaften, in denen klassisches Zeichnen und klassische Malerei wieder einen hohen Stellenwert haben. Hier tauschen sich Profis mit Nachwuchskünstlern aus. Anfänger werden auf ihrem Weg zum kompetenten Zeichner teilweise von den ersten Schritten an begleitet und ermuntert.

Die wichtigsten Foren, in denen tiefgehendes Know-how zum Zeichnen und zur figurativen Malerei vermittelt werden, sind:

Im Bereich der 3D-Produktion spielt blenderartist.org eine hervorgehobene Rolle.

Jason Manley aus Austin (Texas) hat mit Conceptart.org bereits 2002 eine Anlaufstelle für professionelle Konzeptkünstler geschaffen. Seit Dezember 2009 ist an dieses Forum mit TAD (The Art Department) eine Schule für digitale und traditionelle Medien angedockt. Dort werden die verschiedensten Techniken vermittelt. Die virtuelle Akademie steht Interessenten aus der ganzen Welt offen.

CG Talk ist das Forum der CG Society aus Adelaide in Australien. CG steht für Computer Graphics. CG Talk ist ebenso wie CG Hub aus Los Angeles (Kalifornien) ein internationales Forum, in dem vorwiegend professionell orientierte Teilnehmer ihre Werke ausstellen, diskutieren und sehr viel voneinander und miteinander lernen. Regelmäßige Wettbewerbe werden auch in einer der ältesten Online-Communities ausgerichtet: deviantArt.org aus Hollywood (Los Angeles) ist schon seit 2000 aktiv und inzwischen eines der größten Foren. Entsprechend gemischt ist die Qualität der Beiträge.

Zeichnen und Software – von Photoshop, Illustrator, Gimp, Inkscape bis zu Blender, ZBrush, 3ds Max und Maya – sind keine Gegensätze. Die klassische Zeichnung mit Bleistift oder Kohle auf Papier oder mit dem digitalen Stift wird nicht aussterben – dank Computer und Internet.