Monthly Archives: October 2009

Wortschatz im Netz

Das Internet ist eine gigantische Bibliothek. Und das gilt wörtlich. Ich liebe die guten Seiten im Netz und die wunderbaren Quellen zur Recherche und Weiterbildung. Für mich sind zum Beispiel drei frei verfügbare Onlineangebote von unschätzbarem Wert: der Digitale Grimm, das Wortschatz-Portal der Uni Leipzig und das DWDS.

Der Sprachschatz aus dem Wörterbuch der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gilt als die wichtigste und umfangreichste Sammlung deutscher Wörter. 35 Bände stark ist die ursprüngliche gedruckte Ausgabe. Sie enthält 350.000 Stichwörter. Das „DWB“ ist damit das Grundlagenwerk für alle Texter, Schriftsteller, Journalisten und Sprach- forscher. Es zeichnet die Bedeutung von Worten über die Zeit hinweg nach und erschließt den deutschen Wortschatz auf einmalige Art und Weise. Erarbeitet wurde dieses Riesenwerk in 122 Jahren von 1838 bis 1960. Die Gebrüder Grimm kamen selbst nur bis zum Wort Frucht. 120 weitere Sprachforscher übernahmen die Arbeit und stellten das Wörterbuch schließlich auch fertig. 1971 kam noch ein Quellen- verzeichnis hinzu. Die Erstbearbeitung wird von der Universität Trier in Zusammen- arbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften als Digitaler Grimm vollständig im Internet zur Verfügung gestellt. Eine Alternative in gedruckter Form gibt es meines Wissens derzeit nicht als neue Ausgabe, da die letzte Taschen- buchversion aus dem dtv-Verlag leider längst vergriffen ist. Auf zwei CD-Roms ist die digitale Version noch bei Zweitausendeins zum Preis von 49 Euro erhältlich. Dazu wird ein Begleitbuch mit 110 Seiten geliefert.

Neben dem Grimm nutze ich auch das Wortschatz-Portal der Uni Leipzig und das DWDS – das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts. Beide sind weniger spektakulär als der Digitale Grimm.

Seltenes Interview mit Alfred Hitchcock

http://www.youtube.com/watch?v=cv4BwEGPQbM

Auf Youtube ist ein verschollenes Interview mit Alfred Hitchcock in sechs Teilen wieder zu sehen. Es wurde ursprünglich in der Morning Show von 1973 gesendet und gehört zu den seltenen längeren Gesprächen mit dem Meister der filmischen Geschichten- erzählung. Hitchcock zeigt auch hier wieder seine geniale Kombination von praktischer (Film-)Psychologie mit einem Schuss Humor. Die weiteren fünf Teile des Interviews finden sich hier: Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6.

Prachtstück für Kreative und Buchfans

Wird mein Amazon-Wunschzettel jemals kleiner werden? Ich fürchte nein. Das liegt auch an so überraschenden Entdeckungen wie dieser Buchproduktion, die auf den ersten Blick gar nicht in das Bücherbusiness von heute zu passen scheint: Über zehn Jahre hat es von der Planung bis zur Produktion gebraucht.

„Pictorial Webster‘s: A Visual Dictonary of Curiosities“ ist das Mammutprojekt von John M. Carrera. Der Buchbinder, Drucker und Künstler aus Waltham, Massachusetts, startete das „Projekt Webster‘s“ im Jahr 1995, nachdem er auf der Farm seiner Großmutter unter dem Lieblingssessel seines Großvaters ein „International Dictionary“ von 1898 aufstöberte. Was dann folgte und zur Herstellung der neuen Webster-Ausgabe führte, das zeigt Carrera uns in einem wunderbaren Video. Hier wird im Detail dokumentiert, wie mit einer alten Linotype-Maschine gedruckt und anschließend von Hand gefalzt und gebunden wird. Klasse gemacht.

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Als  Bücherfan bin ich fasziniert von diesem Projekt und natürlich von dem Buch, das ein tolles Mittel ist, um die eigene Kreativität anzuregen. Außerdem kann man damit wunderbar so einfach nebenbei englische Vokabeln lernen oder wiederholen. Außer den verschiedenen handgemachten Edelausgaben mit beispielsweise Leder- oder Eichenholzrücken zu Preisen zwischen 2.600 und 4.600 US-Dollar, gibt es für mich zum Glück auch eine günstige Handelsedition über den Verlag Chronicle Press. Bei einem Umfang von 512 Seiten sind in dem historischen Bilderlexikon mehr als 1.500 Stiche aus dem 19. Jahrhundert enthalten. Das außergewöhnliche Buch wird über Amazon (Pictorial Webster’s) für 25 Euro angeboten.