Backup im Schlaf

Ein Traum wird wahr: Wir lernen im Schlaf! Na ja, nicht ganz so spektakulär, doch es existieren interessante Zusammenhänge zwischen Tiefschlaf und Langzeitgedächtnis. Das haben Forscher in Lübeck und Paris nachgewiesen. Der Körper nutzt den Nachtschlaf nicht nur zur Regeneration, sondern auch um Erlebtes und Erlerntes dauerhauft zu speichern. Beim Aufbau des Langzeitgedächtnisses wird in der Nacht im Kopf aufgeräumt. Vielleicht kommt es auch daher, dass nicht selten eine zündende Idee am nächsten Morgen präsent ist. Professor Dr. Jan Born vom Institut für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck konnte die Zusammenhänge durch Versuche im Schlaflabor nachweisen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern von der Universität Paris klärte das Team in den vergangenen drei Jahren die Mechanismen der nächtlichen Datenarchivierung auf. Das Vorhaben wurde von der Volkswagenstiftung mit 454.000 Euro unterstützt. Die Forschungsergebnisse sind im November 2006 erstmals in Nature veröffentlicht worden.

 

Nach den Ergebnissen ist das Gehirn tagsüber eine Sammelstelle von Daten; nachts, wenn der ständige Input an Eindrücken und Informationen zurückgeht, stellt es sich auf das Sortieren und dauerhafte Archivieren um. Bei der Gedächtnisbildung sind so genannte Deltawellen beteiligt, das sind langsam oszillierende elektrische Signale, die das Gehirn im Tiefschlaf aussendet. Offenbar werden frisch erworbene Lerninhalte am Ende eines langen Tages nicht etwa ausgeschaltet, sondern nach dem Eintauchen in den Tiefschlaf werden die Erlebnisse noch einmal aufgerufen und zur Hirnrinde gesendet. Dort können sie in das Netzwerk bestehender Inhalte des Langzeitgedächtnisses fest integriert werden. Es ist die Hirnrinde, die über Deltawellen signalisiert, wann der Erinnerungsspeicher zur Aufnahme bereit ist. Das Signal geben die elektrischen Wellen über biochemische Botenstoffe an den Hippocampus weiter.

 

Die Forscher berichten, dass emotional gefärbte Erlebnisse des Tages im traumreichen REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) ins Langzeitgedächtnis transportiert werden,  Faktenwissen hingegen eher im Tief- oder Deltaschlaf verarbeitet wird. Professor Jan Born sagt: „Damit das Gehrin ein Langzeitgedächtnis ausbilden kann, muss es die frisch erhaltenen Informationen selektiv vom Zwischenspeicher in einen Langzeitspeicher weiterleiten und dort mit den bereits vorhandenen Gedächtnisinhalten verknüpfen.“ Unser Gehirn arbeitet demnach im Wechselbetrieb: tagsüber als Datensammelstelle und nachts wird es zum Speichermedium. Guter Schlaf ist wichtig für gutes Lernen. Das Konzept gilt auch in Gegenrichtung: Wer die Erlebnisse eines Tages möglichst schnell vergessen möchte, sollte sich die Nacht um die Ohren schlagen.

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